
Die „Vorarlberger Nachrichten“ haben in einem Artikel vom 2. Februar auch Erfahrungen aus dem EFZ aufgegriffen. Aufgrund des sehr begrenzten Platzes in diesem Format konnte unsere Perspektive dort naturgemäß nur stark verkürzt dargestellt werden. Deshalb möchten wir hier einen etwas umfassenderen Blick auf die Thematik geben:
In der öffentlichen Debatte stehen häufig wirtschaftliche Faktoren im Mittelpunkt. In der psychosozialen Beratung erleben wir im EFZ jedoch, dass Familienplanung ebenso stark von psychischen, partnerschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt ist.
Mehr Selbstbestimmung – ein wichtiger Fortschritt
Eine Entwicklung beobachten wir sehr positiv: Viele Menschen gestalten ihr Leben bewusster und selbstbestimmter. Sie lösen sich eher von gesellschaftlichen Erwartungen oder Abhängigkeiten und nehmen sich – generationenübergreifend – mehr Raum für persönliche Bedürfnisse, Entwicklung und Erholung. Diese neue Offenheit für „Zeit für mich“ ist ein echter Gewinn.
Wenn die Ansprüche von allen Seiten steigen
Gleichzeitig steigen die Anforderungen im Alltag spürbar: beruflich, privat, in Beziehungen, in der Elternrolle, im sozialen Umfeld. Viele Menschen haben das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen – in der Arbeit ebenso wie zu Hause. In der Beratung sprechen wir in diesem Zusammenhang oft von Mental Load oder sogar Overload: zu viele parallele Aufgaben, Verantwortung und „offene Baustellen im Kopf“. Das kostet Kraft, nimmt Gelassenheit – und macht spontane Entscheidungen schwieriger.
Planbarkeit als Strategie – und als Druck
Viele junge Menschen reagieren darauf mit einem starken Wunsch nach Planbarkeit. Wenn Gesundheit, Freiheit, persönliche Entwicklung und berufliche Anforderungen gleichzeitig gut gelingen sollen, wirkt „gute Planung“ wie die naheliegende Lösung. Das zeigt sich auch in der Familienplanung: Paare wollen Risiken reduzieren, Stabilität schaffen und Belastungen möglichst gut kalkulierbar machen.
Partnerschaft im Wandel: mehr Gleichberechtigung, bewusste Arbeitsteilung
In vielen Beziehungen sehen wir dabei eine erfreuliche emanzipatorische Entwicklung: Hausarbeit und Familienorganisation werden bewusster geteilt, berufliche Autonomie wird gleichberechtigter gedacht, Freiräume werden aktiv verhandelt. Diese Schritte sind wichtig – und sie entlasten.
Wenn ein „durchgeplanter“ Alltag schneller ins Wanken gerät
Gleichzeitig hat diese stark gestaltete Alltagsorganisation eine Schattenseite: Wenn das Leben sehr „designt“ ist, kann es umso mehr verunsichern, wenn ein Teil nicht funktioniert – zum Beispiel durch Krankheit, Jobwechsel, Betreuungslücken oder Beziehungskrisen. Manche Paare entscheiden sich dann gegen ein weiteres Kind (etwa ein drittes oder viertes) – nicht unbedingt, weil der Wunsch fehlt, sondern weil die Belastungsfaktoren als zu groß erlebt werden.
Was das für uns in der Beratung bedeutet
Aus unserer Sicht sind Entscheidungen rund um Kinder und Familie heute selten „einfach“. Sie sind häufig das Ergebnis eines Abwägens:
Im EFZ unterstützen wir Menschen dabei, diese Fragen in Ruhe zu klären, Druck rauszunehmen und Entscheidungen zu finden, die zu den eigenen Lebensrealitäten passen. Es geht darum, Ressourcen zu stärken, Resilienz aufzubauen und den eigenen Weg im Einklang mit Werten, Möglichkeiten und Grenzen zu gestalten.
Bohuslav Bereta