
Die Liste der Potenziale kennen wir: Essen, Rauchen, Sport, Zeit für die Familie, Quality-Time für mich selbst…
Wir kennen auch den Jojo-Effekt - nicht nur für schnelle Diät, sondern auch für andere radikal gedachte Veränderungen: Mit ei-nem festen inneren Entschluss legen wir enthusiastisch los und scheitern dann manchmal kläglich an uns selbst. Die selbst gewährten Joker-Ausnahmen ruinieren durch eine immer häufigere Anwendung unseren Vorsatz bis wir dann innerlich frustriert aufgeben. Und der Ausgangs-punkt unserer Erkenntnis liegt noch weiter zurück als noch am Silvesterabend.
Als systemischer Organisationsberater beobachte ich des Öfteren, dass sowohl in Unternehmen als auch im privaten Umfeld der Handlungsbedarf erkannt wird und nach einem stillen Leidensweg ein vielver-sprechendes Ziel ins Auge gefasst wird: neu organisierte Kommunikationsstruktur bzw. rot unterstrichene Einträge „Fitness“ im persönlichen Kalender. Und dann kommen die Widrigkeiten des Geschäftsalltags, die Logistik des Familienlebens und die menschliche Unzulänglichkeit dazwischen und machen uns einen noch fetteren Strich in unserer perfekten Planung.
Lösung? Improvisation! Die Musiker kennen es: Wegen zu wenig Zeit für das Einstudie-ren einer Partitur improvisieren wir ein-fach. Wir orientieren uns dabei am Grund-motiv, verlassen es, um neue Phrasen zu ertasten, doch in regelmäßigen Intervallen kehren wir zu der ursprünglichen Melodie zurück. Deswegen sehe ich auch meine Vorsätze gelassen: Die Intention bleibt erkennbar, wenngleich nicht immer perfekt – aber ich bin keineswegs frustriert. Im Gegenteil!
Bohuslav Bereta