
Der Herbst macht etwas mit uns. Draußen wird es früher dunkel, die Luft riecht nach Laub. Da wächst die Sehnsucht nach Nähe fast von selbst. Nicht unbedingt nach Hollywood-Romantik, sondern nach jemandem, der fragt: „Magst du Tee?“ Nach einer Schulter, an die man sich anlehnen kann. Nach dem Gefühl, dass jemand auf einen wartet.
Vielleicht liegt es daran, dass Kälte uns spüren lässt, wie warm Nähe sein kann. Im Sommer verteilt sich das Leben nach draußen: Grillabende, Freunde treffen, Veranstaltungen. Wenn es dunkler wird, rücken wir wieder zusammen. Wir merken, dass wir nicht nur beschäftigt sein wollen, sondern uns auch nach einem Menschen sehnen, bei dem wir zur Ruhe kommen.
Nähe lässt sich nicht herbeizaubern, nur weil Oktober ist. Aber die dunklere Jahreszeit erinnert uns daran, wie sehr wir Wärme brauchen: Gespräche, Berührungen, echte Beziehungen und das Gefühl, willkommen zu sein.
Das Gute am Herbst ist vielleicht genau das: Er zeigt uns, was wärmt. Er lässt uns wieder spüren, wie wohltuend es ist, wenn jemand da ist. Jemand, der Tee kocht, die Decke teilt, kalte Füße wärmt und mit einem lacht, wenn draußen die Blätter fallen.
Vielleicht wird der Herbst so nicht weniger dunkel, aber deutlich wärmer.
Nina Leopold
Liebe.Leben