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Andreas Haller - Katholische Kirche Vorarlberg
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Tausende Paare und kein bisschen liebesmüde

Seit 36 Jahren begleiten Marianne und Werner Walser heiratswillige Paare bei den Beziehungstagen des Ehe- und Familienzentrums (EFZ). Gelernt haben in dieser Zeit allerdings nicht nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auch die beiden selbst sind über die Jahre um manche Erkenntnis reicher geworden – über die Liebe, das Leben nach der Hochzeit und die Kunst, dranzubleiben.

Von Andreas Haller

 

Eigentlich wollte Werner Walser Priester werden. Eigentlich. Doch dann kam Marianne dazwischen. Oder genauer gesagt: eine gemütliche Runde in einem Innsbrucker Klostergarten. Weil im Internat ein Fall von Gelbsucht aufgetreten war, wurde kurzerhand der Ausgang gestrichen. Also traf man sich am Lagerfeuer – und dort begann die gemeinsame Geschichte der beiden. Schon drei Tage später, bei einem Spaziergang zu einer Ruine, stand für sie fest: Wir heiraten. Vier Kinder sollten es einmal werden. Und wurden es auch. Heute blicken Marianne und Werner Walser auf fast fünf Jahrzehnte Ehe zurück. Und auf Tausende Paare, die sie in dieser Zeit als Referentinnen bei den Ehevorbereitungsseminaren des EFZ begleitet haben.

 

Früher jünger, heute bewusster?

In all den Jahren hat sich einiges verändert. Zum Beispiel das Heiratsalter. Während früher oft schon Anfang 20 geheiratet wurde, sind viele Paare heute über 30, wenn sie vor den Traualtar treten. Wer sich heute für eine kirchliche Hochzeit entscheidet, tut dies häufig ganz bewusst, beobachten die Walsers.

 

Das richtige Alter zum Heiraten gibt es ihrer Erfahrung nach allerdings nicht. Einmal fragte eine junge Teilnehmerin, gerade Anfang 20, ob sie und ihr Partner nicht viel zu jung dafür seien. Früher wäre sie damit in bester Gesellschaft gewesen, heute ist sie fast schon eine Exotin. Die Walsers sehen es gelassen: Wer jung heiratet, kann gemeinsam wachsen. Wer erst mit Mitte 30 vor den Traualtar tritt, bringt zwar bereits einiges an Lebenserfahrung mit, aber auch entsprechend viel Ballast.

 

Verändert haben sich auch die Rollenbilder. Der Mann verdient das Geld, die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt? Dieses Modell ist längst nicht mehr die Regel. Heute sind häufig beide berufstätig. Eine positive Entwicklung, finden die Walsers, auch wenn das gemeinsame Leben dadurch nicht unbedingt einfacher geworden ist. Denn wer bleibt daheim, wenn das Kind krank ist? Wie werden die Aufgaben verteilt? Und wo bleibt zwischen Beruf, Familie und Alltag noch Zeit für die Partnerschaft?

 

Zwei Rucksäcke statt PowerPoint

Genau hier setzen die Beziehungstage an. Denn während Blumenschmuck, Hochzeitskleid und Gästeliste oft monatelang geplant werden, bleibt für die Ehe selbst manchmal erstaunlich wenig Vorbereitungszeit.

 

Die Begeisterung hält sich bei manchen Teilnehmenden anfangs allerdings in Grenzen. Schließlich ist die Ehevorbereitung für eine kirchliche Trauung verpflichtend. Und Vorbehalte gibt es genug: Wird da den ganzen Tag gebetet? Muss man vor Fremden sein Innerstes nach außen kehren? Die Walsers kennen solche Befürchtungen. Mit Humor und Offenheit gelingt es ihnen meist schon nach wenigen Minuten, das Eis zu brechen. Bald wird geredet und gelacht, Erfahrungen werden ausgetauscht und manchmal entstehen zwischen den Paaren sogar Freundschaften.

 

An fachlicher Erfahrung mangelt es den beiden nicht. Marianne Walser ist Sozialpädagogin und Referentin bei Paarseminaren und Erziehungsvorträgen, Werner Sozialpädagoge, Lebens- und Sozialberater sowie Familientherapeut. Trotzdem verzichten sie auf Frontalunterricht und PowerPoint-Präsentationen. Stattdessen setzen sie auf Gespräche und anschauliche Übungen. Etwa mit zwei gezeichneten Rucksäcken, die für all das stehen, was jeder aus seiner Herkunftsfamilie mitbringt: Erfahrungen, Gewohnheiten und Wertvorstellungen. Gemeinsam überlegen die Paare, was sie davon in ihre Zukunft mitnehmen und was sie lieber zurücklassen möchten.

 

Dass ein solcher Tag einiges bewegen kann, zeigt die Geschichte einer hochschwangeren Teilnehmerin. Beim Gespräch über religiöse Rituale erinnerte sie sich an Bräuche ihrer Großeltern und erkannte, wie viel davon sie ihrem eigenen Kind weitergeben wollte. Am Ende des Tages umarmte sie Marianne, den Tränen nahe.

 

Nicht immer führt ein Ehevorbereitungsseminar allerdings schnurstracks vor den Traualtar. Einmal wurde danach sogar eine bereits geplante Hochzeit abgesagt. Einer Teilnehmerin war bewusst geworden, wie wenig sich ihr Partner auf sie und ihre gemeinsame Zukunft einließ. Auch solche Erkenntnisse können wertvoll sein.

 

Aufs Wesentliche kommt's an

Was aber braucht es, damit die Liebe auch nach Jahrzehnten nicht auf der Strecke bleibt? Marianne Walser bringt es auf zwei Begriffe: „Wertschätzung und Versöhnung“. Das klingt einfach, ist im Alltag zwischen Beruf, Kindern und Wäschebergen aber durchaus eine Kunst. Wertschätzung bedeutet, dem anderen auch zu sagen, was man an ihm schätzt. Selbst wenn es „nur“ das gekochte Mittagessen oder die Hilfe im Garten ist. Das beliebte „Nicht geschimpft ist gelobt genug“ ist da definitiv die falsche Herangehensweise. Ebenso wichtig ist die Versöhnung: Konflikte nicht ewig mit sich herumtragen, sondern wieder aufeinander zugehen.

 

„Reparieren statt wegwerfen“ lautet denn auch ein Grundsatz, der die Arbeit der Walsers in der Paarberatung prägt. Nicht jede Krise muss das Ende einer Beziehung bedeuten. Das heißt allerdings nicht, um jeden Preis zusammenzubleiben. Vielmehr geht es darum, Schwierigkeiten gemeinsam anzugehen, miteinander im Gespräch zu bleiben und sich bei Bedarf Hilfe zu holen. Dabei braucht eine gute Beziehung neben Gemeinsamkeit auch Freiräume. Schließlich müssen auch Marianne und Werner nicht alles im Doppelpack machen.

 

Inzwischen haben die beiden ihre Ehevorbereitungsseminare auf wenige Termine im Jahr reduziert. Ganz aufhören möchten sie aber noch nicht. Zu viel Freude bereiten ihnen die Begegnungen mit den Paaren, von denen sich manche noch Jahre später gerne an den gemeinsamen Tag erinnern.

 

 

EFZ-Beziehungstage
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Ja sagen – aber wie?
Veröffentlicht am 14.10.2026
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