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EFZ
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Das EFZ mischt neu durch

Im Ehe- und Familienzentrum (EFZ) gibt es zwei neue Gesichter in Leitungsfunktionen: Jürgen Hartmann und Tamara Testor.

Jürgen Hartmann übernimmt den Wirkungsbereich Lebens.Beratung und Tamara Testor leitet seit April Getrennt.Leben. Im Doppelinterview erzählen beide, was sie antreibt, welche Erfahrungen sie mitbringen – und warum gute Begleitung oft einfach bedeutet, da zu sein.

 

Vom Quereinstieg bis zur Leitungsfunktion: Wie hat Sie Ihr Weg ins EFZ geführt?

 

Jürgen Hartmann: Ich komme ursprünglich aus der Sozialpädagogik und war viele Jahre in der Familien-, Drogenund Krisenberatung tätig. Zuletzt habe ich beim Amt der Vorarlberger Landesregierung in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe sowie in der Landesverwaltung gearbeitet. Danach wechselte ich zur Kinder- und Jugendanwaltschaft in Feldkirch. Dort habe ich unter anderem Kinderschutzkonzepte für Kindergärten begleitet. Eigentlich wollte ich dann mit 63 in Pension gehen (lacht).


Tamara Testor: Im Erstberuf bin ich Kindergartenpädagogin und habe dann über den zweiten Bildungsweg eine Ausbildung zur psychosozialen Beraterin absolviert. Durch ein Praktikum bin ich schließlich zum EFZ gekommen und war dort schon vor meiner jetzigen Aufgabe tätig – unter anderem in der Elternbildung und als Gruppenleiterin bei den „Gigagampfa“-Gruppen für Kinder getrennter Eltern. Parallel dazu arbeite ich selbstständig in meiner eigenen Familienberatungspraxis in Wolfurt.

 

Sie treffen einen Fremden auf der Straße:Wie erklären Sie Ihren Beruf in einem Satz?


Testor: Ich begleite Menschen auf ihrem Weg – besonders Familien in Trennungsphasen. Dabei sehe ich mich als Impulsgeberin und Begleiterin auf Augenhöhe.

 

Hartmann: Menschen kommen zu uns, wenn sie Orientierung, Beratung oder Unterstützung brauchen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen ein Stück weit die Hand zu reichen – und sie dann auch wieder selbstständig weitergehen zu lassen. Konkret ist es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass unser Angebot attraktiv bleibt und „der Laden läuft“. 

 

Wie viel von Ihrer bisherigen Erfahrung steckt im neuen Job?

 

Hartmann: Absolut viel. Ich bringe einige „Berufskilometer“ mit – aus der ambulanten und stationären Suchtberatung und -therapie, der ambulanten und stationären Hilfe zur Erziehung, dem Familienkrisendienst, dem Kinderschutz und der
Sozialpsychiatrie. Das hilft enorm dabei, Situationen gut einschätzen zu können und die richtigen Angebote bereitzustellen.

 

Testor: Sehr viel. Einerseits fachlich durch meine Aus- und Weiterbildungen, andererseits auch persönlich. Ich kenne das Thema Trennung sowohl aus meiner eigenen Kindheit als auch aus eigener Erfahrung als Mutter. Das schafft Verständnis – wichtig ist aber, dass man die eigenen Themen gut sortiert hat. Wer gut und sinnvoll helfen will, muss am Ufer stehen und kann nicht selbst mit im Boot sitzen.

 

Was bringt Sie im Berufsalltag manchmal an Ihre Grenzen?


Testor: Wir arbeiten mit Menschen in Krisen. Da sind viele Emotionen im Spiel– bei Erwachsenen genauso wie bei Kindern. Das berührt natürlich auch uns als Begleitende. Wir bekommen viel zurück, aber wir bekommen auch viel ab. Das kann manchmal an die eigenen Grenzen gehen.

 

Hartmann: Eine große Herausforderung ist es, die Qualität unserer Angebote hochzuhalten. Menschen sollen darauf vertrauen können, dass sie bei uns kompetente Unterstützung bekommen. Gleichzeitig müssen wir frühzeitig erkennen, wenn jemand eigentlich eine längerfristige therapeutische Begleitung braucht – und wir vom Helfenden zum Vermittler werden.

 

Wofür möchten Sie in den nächsten Jahren etwas bewegen?


Hartmann: Mir ist wichtig, dass das EFZ weiterhin einen guten Ruf hat und Menschen gerne zu uns kommen. Außerdem möchte ich die Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche noch stärker vernetzen. Wir sollen keine EinzelkämpferInnen sein, sondern ein echtes Team – darauf lege ich großen Wert. 

 

Testor: Da sich bei „Gigagampfa“, einem Bereich von Getrennt.Leben, einiges verändert hat, können wir enger zusammenarbeiten. Ein konkretes Ziel ist, Eltern in Trennungssituationen noch besser aufzufangen. Wenn Eltern Stabilität finden, hilft das auch den Kindern enorm. Wir möchten hier ein Angebot aufbauen, das sowohl Eltern als auch Kinder stärkt. Die unterschiedlichen Familienformen sind eine Realität. Wir wollen dieser bunten Vielfalt Räume bieten. Außerdem ist es mir wichtig, das Team fachlich weiterzuentwickeln und gemeinsam zu wachsen.

 

Was macht für Sie gute Zusammenarbeit im Berufsalltag aus?

 

Testor: Begegnung auf Augenhöhe ist mir sehr wichtig. Durch meine Arbeit mit „familylab“ – einem Netzwerk für Familienberatung – hat der Begriff „Gleichwürdigkeit“ einen großen Stellenwert in meinem Leben bekommen. Das bedeutet: Jeder Mensch hat die gleiche Würde, den gleichen Wert – egal ob Kind oder Erwachsener. Diese Haltung prägt meine Arbeit sehr.


Hartmann: Gute Zusammenarbeit lebt von gegenseitigem Vertrauen und davon, dass jede und jeder die eigenen Stärken einbringen kann. Ich möchte eine konstruktive Fehlerkultur leben. Das bedeutet: Fehler sind erlaubt, erwünscht und dürfen offen angesprochen werden. Ein Motto, das mir sehr gefällt und das ich an den Tag legen möchte, stammt von Gianna Nannini: „Die Familie, in die du hineingeboren wirst, ist auch eine Chance zu verstehen, wer du sein willst – und wer nicht.“ Wir arbeiten mit den Ressourcen, Fähigkeiten und Möglichkeiten der Menschen, die zu uns kommen – besonders dort, wo Beziehungen Risse bekommen haben oder
bereits auseinandergebrochen sind.

 

Gab es etwas, das Sie in Ihrer neuen Rolle überrascht hat?


Testor: Überrascht nicht – aber sehr positiv erlebt habe ich die Arbeit im Team. Nach vielen Jahren Selbstständigkeit genieße ich den Austausch und das gemeinsame Entwickeln neuer Ideen sehr.


Hartmann: Ich bin erst kurz in der neuen Funktion, aber ich spüre schon jetzt: Das EFZ lebt von engagierten Menschen und großer fachlicher Kompetenz. Das motiviert mich sehr. Gleichzeitig merke ich auch, was ein großer personeller Umbruch für ein Unternehmen bedeutet. Es geht viel Erfahrung und Tradition verloren – das ist aber auch eine Chance für Neues.
Ein Spruch aus dem Bregenzerwald gefällt mir dazu besonders gut: „Meor ehrod das Ault, und grüssod das Nü...“. Ich hoffe, dass es gelingt, das Gute mitzunehmen und Hinderliches hinter sich zu lassen.


ANNA KADISCH

Veröffentlicht am 18.06.2026
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