
diese Vorstellung von Liebe, die sich wie ein warmer Windstoß anfühlt. Verliebt sein hat etwas Magisches. Als würde die Welt kurz lauter werden – und zugleich ganz still, wenn der Blick des anderen hängen bleibt.
In dieser ersten Phase tragen wir oft die rosarote Brille. Wir sehen das Gute groß, das Schwierige klein. Der andere wirkt wie ein Versprechen, das noch nicht geprüft wurde. Man ist neugierig, aufmerksam, berauscht.
Dann kommt der Alltag. Nicht als Gegner, sondern als Prüfstein. Termine, Müdigkeit, Verpflichtungen. Die rosarote Brille rutscht. Viele erschrecken: War das jetzt schon alles? Ist die Liebe weniger geworden? Dabei passiert oft etwas anderes: Liebe verwandelt sich. Sie wechselt die Sprache.
Nicht weniger Liebe. Andere Liebe.
Am Anfang trägt einen die Wucht der Gefühle. Später entsteht etwas, das weniger laut ist, aber tiefer: Vertrautheit. Man kennt einander im Guten und in schwierigen Momenten. Man sieht Ecken und Kanten und bleibt trotzdem. Genau da wird Liebe erwachsen: nicht als ständiges Kribbeln, sondern als bewusste Nähe.
Liebe wird dann mehr und mehr zu einer Entscheidung – für den anderen und für das Wir. Dieses Wir ist nicht selbstverständlich. Es ist ein Raum, den zwei Menschen bauen: mit Worten, Zeit und Verlässlichkeit. Mit der Bereitschaft, sich nicht auszuweichen, sondern sich wiederzufinden. Mit dem Mut, einander nicht selbstverständlich zu nehmen. Das Wir entsteht, wenn wir uns immer wieder füreinander entscheiden und die Faszination füreinander lebendig halten.
Nina Leopold
Liebe.Leben