
Dr. Haller teilte in seinem Impuls viele Erfahrungen und erklärte, was eine Kränkung ausmacht. Eine Kränkung verletzt tief, oft an einer sensiblen Stelle. Sie kann den Selbstwert schwächen, Enttäuschung auslösen und lange nachwirken. Häufig geht es dabei um fehlende Zuwendung oder zu wenig positive Rückmeldung.
Ein Teil des Vortrags waren auch die sogenannten „vier apokalyptischen Reiter“ nach John Gottman. Dazu gehören Kritik, Verachtung, Rechtfertigung und Rückzug. Diese Verhaltensweisen können Beziehungen stark belasten. Später wurde noch ein fünfter Punkt ergänzt: Macht und Kontrolle.
Dem gegenüber steht die Wertschätzung. Sie bedeutet, einen Menschen so anzunehmen und zu achten, wie er ist. Wertschätzung stärkt das Selbstbewusstsein, fördert Vertrauen und wirkt sich positiv auf Beziehungen aus. Sie hilft auch, mit schwierigen Situationen besser umzugehen.
Besonders spannend waren die Fragen am Ende: „Was müssen Paare lernen, damit Kränkungen eine Beziehung nicht zerstören, sondern stärken? Und warum kippt eine Beziehung oft von anfänglicher Liebe und Toleranz in Verletzungen?“ Diese Fragen zeigten, wie wichtig gute Kommunikation und gegenseitige Achtung sind.
Das Fazit von Prof. Haller war unmissverständlich: Lieber zu viel wertschätzende Kommunikation und Lob als zu wenig. Denn in einer Welt, in der Narzissmus und Selbstbezogenheit zunehmend salonfähig werden, hat ehrliche Anerkennung die Kraft, Kränkungen vorzubeugen, Wunden zu heilen und dem Miteinander eine andere Richtung zu geben.
Marcelo Silveira-Bubniak
Familie.Leben