
In meinem Bekanntenkreis suchen derzeit zwei Personen einen Job: eine Frau und ein Mann.
In Gesprächen miteinander haben wir festgestellt, dass der Mann viele Angebote bekommt (allerdings oft nicht zu den gewünschten Arbeitszeiten). Die Frau hingegen erhält mehrere Angebote für Aufgaben, die unter ihrer Qualifikation liegen, ganz zu schweigen vom Gehalt
Ich frage mich, was da falsch läuft. Nur weil es biologisch betrachtet äußerliche Unterschiede gibt? Es ist schwer verständlich, warum das immer noch so ist.
Apropos Biologie: Ich glaube nicht, dass wir Männer unser soziales und kulturelles Rollenbild gegenüber Frauen wirklich verändern wollen. Für uns ist es oft ganz praktisch so, wie es ist – aber gerecht ist es nicht.
Wir Männer könnten die Welt ein wenig gerechter machen, wenn wir es selbst in die Hand nehmen: zu Hause unsere körperliche Kraft in das Zusammenleben einbringen, putzen, kochen und aktiv am Leben der Kinder teilhaben. Unsere Tendenz zu schweigen, wenn Situationen schwierig werden, überwinden und miteinander sprechen – auch wenn wir vielleicht missverstanden werden.
Den bloßen Trieb nach Nähe in Liebe verwandeln und Sexualität mit Konsens und Feinfühligkeit leben. Niemand gehört jemandem, egal in welchem Familienstand wir leben.
Wenn all das unmöglich erscheint, brauchen wir vielleicht Unterstützung: offen mit der Partnerin sprechen und, wenn man alleine nicht weiterkommt, professionelle Hilfe suchen etwa bei einer Männerberatung, von Mann zu Mann.
Wir sind alle auf dem Weg. Und es ist nicht in Ordnung, dass Frauen weiterhin so benachteiligt werden. Sie tragen unseren Nachwuchs in ihrem Körper und kümmern sich oft fürsorglich um alle Teile des Familiensystems. Es wäre ein großer Schritt, wenn wir Männer uns stärker beteiligen würden.
Es geht um Beziehungen. Und solange wir unsere kleine Welt nicht verändern, wird auch die große Gesellschaft nur in Schneckenschritten vorankommen.
„Männer, es ist Zeit!“
Allen Frauen alles Gute zum Internationalen Frauentag.
Marcelo Silveira-Bubniak
(Familien.Leben)