
Mag schon sein, dass mein fortgeschrittenes Alter damit zu tun hat. Blickt man auf die zuletzt aufgetauchten Arten sich einzuschränken oder zu enthalten - Heilfasten, Basenfasten, Intervallfasten uvm., muss also doch etwas dran sein. Und zwar auch außerhalb der religiös begründeten Fastenzeit.
Fasten ist ja schließlich nicht mit Diät oder Schlankheitskur zu verwechseln. Diese teils vorgegaukelten Ideale lassen wir hier außen vor. Es wird durch Zurückhaltung oder dem Verzicht die leibliche, aber auch seelische Reinigung verfolgt. Mit gutem Grund, wie ich meine.
Eine Auszeit nehmen von Gewohnheiten, vom Über-Maß, weg von Konsum und zurück zu Wesentlichem und dem Genuss. Zurück zur Dankbarkeit und zur Achtung dessen, was ich habe. Zurück zum Bewusst-Sein.
Sein, in und für etwas, das im Alltag zunehmend abhandenzukommen droht. Ich nenne sie zum Text hier passend, die „Wohl-Zeit“.
Die Unterbrechung von Auf- und Einnahmegewohnheiten kann neue Horizonte für mein Denken, Fühlen und Handeln erschließen. Ich durfte mittlerweile schon mehrmals kosten vom Wohl-Zeit-Effekt, also vom Wert durch die Fastenzeit. Und da ich also auf den Geschmack gekommen bin, hilft mir Fasten dabei, im kleinen wie im größeren Maß, mein Leben so zu gestalten, wie ich möchte.
Übrigens zählen zu den modernen Arten zu Fasten Flugfasten und Handyfasten.
Meine Tochter wird im März beim von der Schule initiierten Handyfasten teilnehmen. Mich freut freilich sehr, dass sie mitmachen wird. Noch mehr freue ich mich auf ihre Erkenntnisse infolge ihrer Fastenzeit.
Da wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis ältere Generationen das Handyfasten für sich entdecken.
Christian Hofer